Mitsegeln auf Windjammer

eines der letzten Abenteuer unserer Zeit

Windjammersegeln in der Ostsee nach Schweden


Unter dem Begriff "Belte Sunde Förden" ging es mit dem Traditionssegler "Roald Amundsen" von Travemünde nach  Göteborg und von dort zurück zum Heimathafen Eckernförde. Für 46 Menschen wurde es ein wunderschöner Törn.

Abschiedsduft liegt in der Luft. Das war das Erste, was mir heute Morgen am Zielhafen Göteborg  in den Kopf kam, als ich aufwachte. Irgendwie war es an der Stimmung zu spüren, dass wir am Ende unserer Fahrt angekommen waren.  Auf meinem Weg zur Dusche traf ich schon die ersten Crewmitglieder und fragte einen von ihnen, ob an Bord die Allgemeine Kojenflucht eingetreten sei, weil man schon vor dem Wecken das Deck bevölkere. Aber mit dem Hinweis auf einen sagenhaften Sonnenaufgang vergaß ich zunächst das Duschen und holte meine Filmkamera aus der Kammer. Leider konnte ich nur noch einen Hauch der Stimmung einfangen, die der italienische Maler Franco Costa so schön auf seinen skandinavischen Acrylbilder so wundervoll in Stimmung bringen kann und den gerade ein Haufen Schiffsleute genießen durfte. 

Auf dem Weg von Travemünde nach Göteborg bestand dieser Törn des Traditionsseglers Roald Amundsen aus 48 Crewmitgliedern, davon 31 Trainees. Der Törn begann in Travemünde am Überseekai 1, gegenüber der "Passat" gelegen, mit einem Open Ship. Über 500 Menschen sahen sich die Roald Amundsen an und die Crew hatte alle Hände voll zu tun, jede Frage zu beantworten und die Mutigen von ihnen auch ins Rigg zu begleiten. Gerade Riggbegehungen unter Anleitung und mit Sicherung durch einen Klettergurt sind gerne angenommene Aktivitäten, denn wer hat schon mal Gelegenheit, in den Mast eines Rahseglers zu klettern? Am Abend erfolgte eine Lesung eines  Reiseberichts des Buchautors und Segelfans Nicolàs Seliger aus seinem Buch "Durch den Wind. Unter alten Segeln über den Atlantik", das er anlässlich seiner Atlantiküberquerung mit der Roald Amundsen 2010 geschrieben hatte.

So weit sollte es mit der Roald Amundsen jetzt aber nicht gehen. Eher rund 150 Seemeilen nach Norden: in die schwedische Stadt Göteborg. Der Titel des Törns „Belte – Sunde – Förden“ mag etwas sperrig klingen, aber Erinnerungen an den Erdkunde-Unterricht und ein Blick auf die Seekarte zeigte, dass wir einen nördlichen Kurs einschlagen werden: eben zur schwedischen Stadt Göteborg. Um dorthin zu gelangen, mussten wir an Dänemark vorbei und hatten zwei Optionen: Den Sund auf der einen oder den Belt auf der anderen Seite der dänischen Insel Seeland, je nachdem, aus welcher Richtung der Wind kommen würde. Der Wind kam leider aus keiner günstigen Richtung, so dass Käpt’n Hugo entschied, dass wir mit Maschinenkraft links um den Belt herum fahren werden, um Strecke zu machen. Im nördlichen Kattegatt würden wir auf freien Seeraum treffen, um dann in alle Richtungen segeln zu können. Für diejenigen, die hofften, gleich nach Travemünde Segel setzen zu können war diese Entscheidung natürlich eine herbe Enttäuschung. Aber die Toppsgasten oder auch Toppsmatrosen werden die Wachführer genannt, nutzten die Gelegenheit, um alle neuen Crewmitglieder erst einmal mit dem Schiff und seinen Besonderheiten vertraut zu machen, während die Maschinisten unter Deck für die Vorwärtsbwegung sorgen. Die Segelvorausbildung ist sehr wichtig für alle unerfahrenen Trainees, denn sie vermittelt das seemännische Basiswissen und beinhaltet erste Fachbegriffe wie „Mug“ (statt Tasse), „Koje“ (statt Bett) oder „Kombüse“ (statt Bordküche). Auch Begriffe wie „Fender“, „Backbord“ und „Pütz“ sind den Meisten noch völlig unbekannt, geschweige „Geitaue“, „Gordinge“, „Toppnanten“ oder „Brassen“, die so typisch für Traditionssegler sind. Um alleine alle Fachbegriffe kennen- und anzuwenden zu erlernen, braucht man zwei, besser drei Törns, die recht kurz aufeinander folgen sollten, um das neue Wissen zu festigen. Und es gibt einen zweiten Grund, zunächst zwei Wochen statt einer auf der Roald Amundsen zu fahren: Nach einer Woche auf dem Schiff hat man sich gerade erst warmgelaufen, um in der zweiten Woche das Gelernte anwenden zu können.

Zunächst aber haben wir eine schöne Woche auf dem Traditionsschiff Roald Amundsen vor uns und wir freuen uns darauf. Nachdem alle Trainees willkommen geheißen wurden und ihre Kojen bezogen haben, gibt es ein erstes "All Hands" am Oberdeck. Zu "All Hands" treffen sich alle Crewmitglieder und erfahren Neuigkeiten, insbesondere über die bevorstehenden 12 Stunden. Wohin treibt uns der Wind? Welchen Hafen oder Ankerplatz steuern wir an oder welche Manöver sind in Kürze zu erwarten? Das sind die Informationen, die entweder der Käpt'n oder der Erste Steuermann der Crew geben. Dann weiß man auch, ob man sich auf eine Nacht auf See, auf Hafen- oder Ankerwache einstellen kann oder auch auf einen Landgang in einem jener schönen ausländischen Häfen, die von der Roald Amundsen in den verschiedendsten Ländern der Welt angelaufen werden. Im Sommer fährt die Brigg, benannt nach dem Gaffelsegel am Hintermast, in der Ostsee. Unter dem Motto "Windjammersegeln in der Ostsee nach Schweden" geht es jetzt eben nach Norden. Auch Oslo, Stavanger, Bergen und Sonderborg waren bereits Ziele dieses schwarz gestrichenen Windjammers, der in der Mitte parallel zur Wasserlinie einen weißen Strich zeigt. Je nachdem, wie der Wind gerade steht, wird die Fahrtroute zu Beginn des Segeltörns festgelegt und kann immer wieder geändert werden. "Der Weg ist das Ziel" lautet das Credo der "Roald", wie sie von ihren Matrosen nur genannt wird. Dass natürlich ein Ziel zu feststehender Zeit erreicht werden muss, ist klar. Immerhin wurden Flüge und Züge gebucht, so dass eine Verspätung unabsehbare Folgen hat. Auch die Folgecrew steht ja schon in den Startlöchern, so dass eine pünktliche Ankunft unabdingbar ist. Alleine das Käptn's Dinner würde ausfallen, wäre die Brigg nicht rechtzeitig im angestrebten Hafen und wer will sich das schon antun? Und das Käptn's Dinner gibt es traditionell immer am letzten Abend vor Ende des Törns. Dann muss "der Alte" mit seinen Steuerleuten nämlich in der Kombüse abwaschen und die Crew hat frei und kann an Deck unter hoffentlich sternenklarem Himmel feiern. Falls es regnet, gibt es auch noch ein Sonnensegel, für dessen aufriggen es immerhin "Häkchen" im Ausbildungsheft gibt. Gerade gestern Abend, dem vorletzten Tag dieses Törns, sah ich in traurige Gesichter, die in Göteborg von Bord gehen würden und liebend gerne noch eine weitere Woche geblieben wären. „Das nächste Mal bin ich schlauer“, hörte ich Caro sagen, die mit dem Törn das Gefühl der Entschleunigung und  Langsamkeit kennenlernen konnte und in Kürze den Heimweg antreten wird. Aber auch für uns von der Stammcrew ist es schade, auseinandergerissen zu werden, haben wir doch innerhalb einer Wache so etwas wie das „Wir“-Gefühl erzeugen können, egal ob Stammcrew oder Trainee (so werden die Mitsegler auch genannt).

Ich freue mich jedes Mal, wieder an Bord zu kommen, denn jedes Mal treffe ich auf Crewmitglieder, mit denen ich schon mehrfach gefahren bin. Nie enden die Geschichten von Törns, die man gemeinsam erlebt hat. Für Trainees ist diese Vertrautheit zunächst etwas befremdlich und einige haben Furcht, nicht mit in deren Kreis aufgenommen zu werden, aber bei der Roald Amundsen sind derartige Bedenken unbegründet. Ziel ist es, möglichst viele Trainees für Traditionssegeln zu begeistern.  Nicht nur für die Roald Amundsen, sondern für alle Traditionssegler, damit die Kenntnisse von Seemannschaft und deren Besonderheiten nicht verloren gehen.

News & Aktuelles

Der erweiterte Törnplan für die Brigg "Roald Amundsen" ist jetzt veröffentlicht. Erwartungsgemäß geht es in die Karibik und verspricht wunderschöne Ziele.

weiterlesen...

Törnberichte

Ich bin Thommes und bin von April 2011 bis Mai 2012 insgesamt 11 mal auf der Roald Amundsen gefahren, so begeistert bin ich von diesem Schiff. Mein längster Törn war der von Oostende (Belgien) nach Lissabon (Portugal) 5.11. Thomas Kochbis 22.11.2011also fast 3 Wochen. Dabei fuhren wir durch den Englischen Kanal, durch den Golf von Biscaya und auf dem Atlantik, bis wir pünktlich Lissabon erreichten. Während dieser Zeit besuchten wir Städte wie Brest, La Coruna, Kap Fenisterre („Cabo Finisterre“) oder  Cascais vor den Toren Lissabons.
Hier findest Du die Törnberichte aus dieser Zeit, die meistens von mir verfasst wurden.


Hallo Leute,

ich bin Patrick und habe 2011 meinen ersten Ostsee Segeltörn auf einem Windjammersegler gemacht. Das war sowas von g....., dass ich mich für dieses Jahr gleich für zwei Törns im August angemeldet habe.

weiterlesen...