Mitsegeln auf Windjammer

eines der letzten Abenteuer unserer Zeit

Berichte: Sehnsucht


Thomas Thommes KochWer jemals auf einer Royal-Rah gestanden und hinter den Horizont geschaut hat, weiß, was Sehnsucht nach Ferne bedeutet.

Wer zudem sein Leben lang davon geträumt hat, als Crew eines Rahseglers zu fahren, der weiß auch, was die Sehnsucht nach Mitsegeln auf einem Windjammer bedeutet.

Die Brigg Roald Amundsen ist eine der letzten Möglichkeiten, diese Art Sehnsüchte zu befriedigen. Nicht wenige deren Crew haben neugierig als Trainee begonnen und sind wissbegierig Deckshand oder Toppsgast geworden.

Auf der Roald lernt man nie aus, denn es gibt immer Neues zu entdecken. Mit jedem Törn lernt man neue Menschen kennen und vergrößert seinen Bekannten- oder gar Freundeskreis.
 
Man lernt völlig Neues wie das sichere Aufentern in einen Mast ("ins Rigg") oder Schiffsmanöver wie die Halse oder die Wende auf einem Rahsegler und alles, was mit seiner Fahrt, seiner Sicherheit und seiner Pflege und Instandhaltung zu tun hat.

Und man lernt viel über sich selbst kennen. Die insgesamt 48 Frauen und Männer teilen sie ein knapp 50 m langes und 7,20 m breites Stück schwimmende Nostalgie auf dem Wasser. Das gemeinsame Ziel ist die Fortbewegung mit der Kraft des Windes. Das Geräusch eines durchs Wasser pflügende Segelschiff ohne Motorengeräusche klingt wie eine Symphonie. Der Wind bläst in die Takelage und wenn alles gut gezurrt und festgesetzt ist, stört kein Klappern oder Knarzen den Ritt über die Wellen.

Sind die Segel richtig gesetzt und getrimmt, dann bleibt der Freiwache viel Zeit, im Klüver zu sitzen (siehe links) und darüber nachzudenken, wie groß der Ozean und wie klein so manche Welt ist.

Wird der Wind stärker und müssen Segel geborgen werden, so kommt es auf das Team ("die "Wache") an, gemeinsam aufzuentern, die Segel zu bergen und gemeinsam mit Zeisern zu packen. Du weißt nicht, was ein "Zeiser" ist? Keine Angst, die Stammcrew erklärt es Dir. Sie zeigt Dir, wie Du mit einem großen Segel umgehst, wie Du es verpackst und wie Du es notfalls reparieren kannst.

Du bist von Beginn an ein Teil der Crew, also der Besatzung. Und damit Du Dich sicher fühlst, sind immer genug Leute an Bord, die genau wissen, wie das Schiff sicher zu fahren ist.   Die so genannte "Stammcrew", zu der Du selbstverständlich auf gehören kannst, fährt immer mit genügend Leute, damit wir alle immer sicher in den Hafen kommen. Dazu zählen der Kapitän und seine Steuerleute, die Toppsgasten ("Wachführer") mit seinen Deckshänden und den Deckshand-Anwärtern, also gewissermaßen den "Auszubildenden Deckshands".

Und als Trainee wirst Du in die drei Wachen "eingespleist" (also eingebunden), die das Schiff rund um die Uhr fahren. Du kannst Dir aussuchen, in welche Wache Du möchtest: 0/4-Wache, also von 00:00 Uhr bis 04:00 Uhr bzw. 12:00-16:00 Uhr, die 4/8-Wache, also von  04:00 - 08:00 Uhr bzw. 16:00 - 20:00 Uhr und die 8/12-Wache, also von 08:00 - 12:00 Uhr bzw. 20:00 Uhr bis 00:00 Uhr. Während Deiner Wache, der so genannten Fahrwache, fährst Du das Schiff gemeinsam mit dem Steuermann (der auch weiblich sein kann), dem Toppsgasten (der oft weiblich ist) und den übrigen Crewmitgliedern wie Deckshands, Deckshand-Anwärtern oder Trainees.

Wird es zuviel Arbeit, weil eine Menge Segel gleichzeitig geborgen werden müssen, kommen "Freunde der Wache" zur Hilfe oder der Kapitän ruft en "All Hands" aus, zu dem dann auch alle Freiwächter mit ihren Gurten aufs Deck eilen und anpacken müssen.

Apropos "Sicherheit". Die wird auf der Roald ganz groß geschrieben. Neben der persönlichen Schutzausrüstung wie einem Klettergurt mit Sicherheits-Karabinern wird auch in der Ausbildung großen Wert auf Sicherheit gelegt.

Aufgeentert wird nur von Luv, also der Wind zugekehrten Seite, weil man nämlich dadurch etwas in die Wanten gedrückt wird. Außerdem liegt das Schiff dann auch etwas gekränkt (also schief) im Wasser, so dass man nicht ganz so steil nach oben geht. Sobald man im Rigg verweilt oder auf die Rahen entert, pickt man sich mit zwei Sicherheitskarabinern ein, so dass bei vernünftiger Handhabung niemand zu Schaden kommen kann.

Dass jede Form von "Aufenterwettbewerb" strikt verboten ist und man auch nicht mit "philippinischen Sicherheitsschuhen", also Badelatschen, ins Rigg darf, versteht sich von selbst. 

Während der Fahrtwachen und auch während der Freiwache wird Ausbildung betrieben. Das dient einerseits der persönlichen Weiterbildung, der Festigung bereits erworbener Kenntnisse und ist für die Sicherheit des Schiffs und seiner Besatzung unabdingbar. Außerdem gibt es mehrmals im Jahr so genannte Sicherheitstörns für die Stammcrew, auf denen man Feuerbekämpfung, Leckabwehr und den richtigen Einsatz der Rettungsmittel lernt. Das ist total interessant und macht auch jede Menge Spaß.

Allein Spleißen von Leinen oder Drahtseilen zu lernen ist eine tolle Sache und eine Herausforderung. Mein letzter "Takelkurs" in Bad Soden hat zwei Tage gedauert und das fachgerechte Schleifen des Bordmessers und Drahtspleißen waren für mich die besonderen Highlight. Nach Feierabend haben wir uns dann in einer schönen Kneipe reichlich zu Essen bringen lassen und uns auch das eine oder andere Kaltgetränk gegönnt. 

Und da bin ich schon wieder beim nächsten Sicherheitsthema: Alkohol. Während der Fahrt ist Alkoholgenuss völlig verboten. Lediglich in Häfen oder beim Ankern kann dieses Verbot vom Kapitän, und nur von ihm allein, gelockert werden. Mit diesem Verbot sind wir bislang sehr gut "gefahren".

Wenn ich erstmal damit anfange, von der Roald zu erzählen, dann schwelge ich immer wieder ab zu den anderen total tollen Erlebnissen, die mich immer wieder begleiten. Doch diese Seite hat das Thema Sehnsucht auf einen Segeltörn in der Ostsee, durch den Golf von Biskaya oder über den Atlantik. Ich träume von fremden Ländern und Häfen und sensationellen Sonnenunter- oder Aufgängen.

Sonnenaufgang im Heimathafen Eckernförde

 

Sonnenuntergang Auslaufen Kiel  

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Sonnenuntergang Atlantik 

Sonnenaufgang La Coruna, Spanien 

 

Es gibt beim Windjammersegeln viele Momente, nach denen man sich zurücksehnt. Wer dieses Gefühl einmal selbst erleben will, der sollte sich zu einem der Törns anmelden, die im Sommer meist auf der Ostsee und im Winter meist in südlichen, wärmeren Gefilden stattfinden.

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News & Aktuelles

Der erweiterte Törnplan für die Brigg "Roald Amundsen" ist jetzt veröffentlicht. Erwartungsgemäß geht es in die Karibik und verspricht wunderschöne Ziele.

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Törnberichte

Ich bin Thommes und bin von April 2011 bis Mai 2012 insgesamt 11 mal auf der Roald Amundsen gefahren, so begeistert bin ich von diesem Schiff. Mein längster Törn war der von Oostende (Belgien) nach Lissabon (Portugal) 5.11. Thomas Kochbis 22.11.2011also fast 3 Wochen. Dabei fuhren wir durch den Englischen Kanal, durch den Golf von Biscaya und auf dem Atlantik, bis wir pünktlich Lissabon erreichten. Während dieser Zeit besuchten wir Städte wie Brest, La Coruna, Kap Fenisterre („Cabo Finisterre“) oder  Cascais vor den Toren Lissabons.
Hier findest Du die Törnberichte aus dieser Zeit, die meistens von mir verfasst wurden.


Hallo Leute,

ich bin Patrick und habe 2011 meinen ersten Ostsee Segeltörn auf einem Windjammersegler gemacht. Das war sowas von g....., dass ich mich für dieses Jahr gleich für zwei Törns im August angemeldet habe.

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