Mitsegeln auf Windjammer

eines der letzten Abenteuer unserer Zeit

Windjammersegeln in der Ostsee im Sommer


Segeln auf Windjammer - die Ostsee im Sommer ist für die meisten Mitsegler eine lebenslange schöne Erfahrung
 
Wer denkt, so eine Reise mit einem Windjammer ist nur Segelprofis vorbehalten, der sollte mal in die glänzenden Augen derjenigen schauen, die das erste Mal zur Royal-Rah hinauf geklettert sind.

Ganz oben im Topp (also im Mast), etwa 32 Meter über dem Deck, weht einem ein ganz anderer Wind um die Ohren. Bei Traditionssegler müssen Arbeiten im Rigg (das ist alles, was zum Segeln gebraucht wird) von der Besatzung selbst erledigt werden. Dabei gibt es natürlich keine Hebebühnen, die einen bequem zur richtigen Stelle führt. Vielmehr müssen alle Arbeiten im traditionellen Bootsmannsstuhl erledigt werden.  Der Blick über den Horizont entschädigt einen für die Arbeit in Schindel erregender Höhe und ist überwältigend, vor allem, wenn das Schiff auch Fahrt macht und man unter sich die aufgebähten Segel sieht. Manche trauen sich nicht, gleich zu Anfang ganz nach oben zu klettern - andere wiederum können es kaum erwarten, den Mast zu erobern. Wer sich erst am Ende der Reise traut, ärgert sich, weil er sich nicht schon am Anfang überwunden hat, mit Hilfe eines erfahrenen Crewmitglieds in die Masten zu klettern. Es ist so einfach.

Alles hat seine Zeit und niemand von der Crew drängt jemanden zu irgend etwas.  Denn es ist gerade Sinn und Zweck von Traditionsseglern, so viele Menschen wie möglich für das Segeln auf Windjammer zu begeistern. Einer der interessantesten Traditionssegler ist die Brigg "Roald Amundsen", die vom Verein "Leben lernen auf Segelschiffen" (www.sailtraining.de) betrieben wird und ihren Sitz im schleswig-holsteinischen Eckernförde hat.  

Wer einmal die salzige Luft geatmet, dem Rauschen der Wellen gelauscht und als Ausguck am Horizont nach anderen Schiffen Ausschau gehalten hat, der ist vom Traditionsschiff-Fieber infiziert und kann es meist kaum abwarten, wiederzukommen. 
 

Eine Reise beginnt bereits einen Tag vor dem offiziellen Törnbeginn, denn dann reist die Stammcrew an, sofern sie nicht vom letzten Törn übrig geblieben ist und auch noch den Folgetörn mitfährt. Diesen Bericht schreibe ich zwei Tage vor meinem nächsten Törn, der von Travemünde nach Göteborg und zurück nach Eckernförde führt. Ich fahre als Toppsgast, also als Wachleiter, der dafür sorgt, dass die Wache die Segelkommandos des Steuermanns ausführt. Der Steuermann ist nicht derjenige, der das Schiff steuert, sondern der Ranghöchste einer Wache, der insbesondere für die nautischen Aufgaben zuständig
ist. Das Schiff steuert nämlich der Rudergänger (egal welchen Geschlechts) nach Anweisungen des Steuermanns. Damit hat er eine sehr wichtige Aufgabe und gerade in engen Fahrwassern werden dafür insbesondere erfahrene Rudergänger benötigt. Die Ausbildung dazu wird während der Fahrwache vorgenommen und vom Steuermann oder Toppsgasten durchgeführt. Gerade wenn man Nachts Wache geht und alles auf und rund um das Schiff herum kohlrabenschwarz ist, bekommt man Ehrfurcht vor dem Meer.
Der Steuermann hat sein "Büro" direkt hinter der Brücke im so genannten Navigationsraum, von der Crew kurz "NAVI" genannt. Hier befinden sich sämtliche Karten, die für die Reise benötigt werden, natürlich alle Signalflaggen und alle nautischen Geräte, die für die sichere Reise der "Roald Amundsen" erforderlich sind und sich stets auf dem neuesten Stand der Technik befinden. Vor allem Alarmanlagen für Feuer im Schiff und zum Absetzen von Seenotmeldungen sind hier untergebracht. Doch unsere Roald ist ein absolut sicheres Schiff, das bereits mehrfach bewiesen hat, was in ihm steckt. Wer als Rudergänger die gesetzten Segel vom Wind gebläht über sich wehen sieht  
und dahinter die vielen hell leuchtenden Sterne, der will an keinem anderen Ort der Welt sein - höchstens auf einem anderen Windjammer, der irgendwo die Wellen der Ozeane durchpflügt. Ansonsten ist es ein wunderbares Gefühl, unter dem Firmament breitbeinig vor dem großem Steuerrad zu stehen und die Speichen festzuhalten, jederzeit bereit, einen neuen Kurs durch Veränderung der Ruderlage zu steuern. Der Steuermann hat dann vorher beispielsweise gesagt: Neuer Kurs 238 Grad, was sich gesprochen so anhört: "neuer Kurs zwei drei acht Grad". Den neuen zu steuernden Kurs wiederholt der Rudergänger: "Neuer Kurs zwei drei acht Grad", damit der Steuermann weiß, dass der Rudergänger auch die richtigen Anweisungen befolgt. Dann dreht der das Ruder in die Richtung, in der der neue Kurs liegt. Ist der neue Kurs erreicht, ruft er dem Steuermann laut und vernehmlich zu: "Neuer Kurs zwei drei acht Grad liegt an", was der Steuermann wiederum mit "Danke!" quittiert, damit der Rudergänger wiederum weiß, dass der Steuermann alles verstanden hat.
So wird seit Jahrhunderten und bis Heute der Dialog zwischen Steuermann und Rudergänger durchgeführt und gilt sowohl in der Traditionsschifffahrt, als auch in der zivilen Schifffahrt wie auch auf Kriegsschiffen.
Meistens lässt der Steuermann den Rudergänger gewähren, wenn dieser seine Arbeit gut macht. Die stehende Wache hat ja die Aufgabe, das Schiff während ihrer Wache sicher zu führen und die anderen Crewmitglieder müssen sich darauf verlassen können, dass ihnen kein Schaden oder Risiko zugefügt wird. Und das weiß der Rudergänger auch, wenn er am Ruder der rund 500 Tonnen verdrängenden Roald Amundsen steht und weiß, dass jetzt alle an Bord auf ihn bauen. Immerhin wird er alle halbe bis ganze Stunde abgelöst, damit andere dieses schöne Gefühl ebenfalls mal erleben dürfen. Außerdem hat die Ostsee keine große, lange Dünung, sondern recht kleine und oft kabbelige Wellen. Dann macht die Roald gerne Bocksprünge und hüpft hin und her, so dass der Rudergänger nach seiner halben oder ganzen Stunde am Steuer zu stehen auch froh ist, wenn ein anderer aus der Wache mal dran ist.
 
Gerade eine Reise auf der Ostsee hat ihre Besonderheiten. Weil die Ostsee recht klein ist, kann man nicht tagelang einen Kurs segeln, wie beispielsweise bei einem unserer drei bis vier Wochen dauernden Törns über den Atlantik. Gerade wenn man die Segel richtig getrimmt hat, kommt auch schon die nächste Küste und die fahrende Wache darf die Halse oder Wende vorbereiten und durchführen. Dabei ist es egal, ob es Tag oder Nacht ist, denn grundsätzlich wird die Nacht hindurch gefahren.
 
Dazu sind die drei Wachen entsprechend eingeteilt: von 00:00 - 04:00 Uhr und 12:00 - 16:00 Uhr (Wache I, auch "Hundewache" genannt), von 04:00 - 08:00 Uhr und 16:00 - 20:00 Uhr (Wache II, die "Arbeitswache") und von 08:00 - 12:00 Uhr und 20:00 - 24:00 Uhr (Wache III, die "Kapitänswache"). Das heißt also vier Stunden Wache und danach acht Stunden frei, was allerdings nicht ganz richtig ist, denn in den acht Stunden "frei" wird viel Unterricht gegeben, weil die "Roald Amundsen" ja ein Segelschulschiff ist.  Aber keine Angst, denn hier macht der Unterricht Spaß, weil man ja lernen will, wie die Segel eines solchen Schiffs funktionieren, wie man sie setzt und wie die unzähligen Taue genannt werden, an denen man ziehen muss. Allerdings müssen die Tampen auch exakt genau gekannt werden, weil meist auch nachts gesegelt wird und man dann natürlich genau wissen muss, welches Tau zu welchem Segel oder zu welcher Rah oder zu welchem Mast gehört.... Aber keine Angst, denn die erfahrene Stammcrew hilft jedem dabei, alles zu lernen, was an Wissen zu Seemannschaft erforderlich ist.

News & Aktuelles

Der erweiterte Törnplan für die Brigg "Roald Amundsen" ist jetzt veröffentlicht. Erwartungsgemäß geht es in die Karibik und verspricht wunderschöne Ziele.

weiterlesen...

Törnberichte

Ich bin Thommes und bin von April 2011 bis Mai 2012 insgesamt 11 mal auf der Roald Amundsen gefahren, so begeistert bin ich von diesem Schiff. Mein längster Törn war der von Oostende (Belgien) nach Lissabon (Portugal) 5.11. Thomas Kochbis 22.11.2011also fast 3 Wochen. Dabei fuhren wir durch den Englischen Kanal, durch den Golf von Biscaya und auf dem Atlantik, bis wir pünktlich Lissabon erreichten. Während dieser Zeit besuchten wir Städte wie Brest, La Coruna, Kap Fenisterre („Cabo Finisterre“) oder  Cascais vor den Toren Lissabons.
Hier findest Du die Törnberichte aus dieser Zeit, die meistens von mir verfasst wurden.


Hallo Leute,

ich bin Patrick und habe 2011 meinen ersten Ostsee Segeltörn auf einem Windjammersegler gemacht. Das war sowas von g....., dass ich mich für dieses Jahr gleich für zwei Törns im August angemeldet habe.

weiterlesen...