Mitsegeln auf Windjammer

eines der letzten Abenteuer unserer Zeit

Dusche, Klo und Wasserverbrauch


Windjammersegeln ist heute erheblich komfortabler als noch vor Einhundert und mehr Jahren. Als wir im Februar 2012, von den Azoren kommend,  in Lissabon einliefen, erhielten wir eine Einladung zum Besuch einer nachgebauten Karavelle. Dieser Schiffstyp wurde etwa zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert verwendet. Damals schlief die Besatzung "zusammengekuschelt" vorne auf dem Oberdeck, weil der Laderaum ja für Waren und Tauschgegenstände benötigt wurde. Das tägliche Geschäft wurde in einen Eimer verrichtet und die anschließende Körperreinigung mit einem Quast vorgenommen, der zum Reinigen Außenbords im Wasser mitgeführt wurde. Duschen oder WC gab es selbstverständlich nicht, so dass man wohl auch deshalb an Oberdeck schlafen musste, weil man den Gestand sonst wohl kaum aushalten konnte. Vielleicht waren die Jungs (damals waren Frauen an Bord verboten, heute beträgt der Anteil an teilnehmenden Frauen rund 40 Prozent der Crew - bei den Frauentörns naturgemäß 100 Prozent) damals auch nicht so geruchsempfindlich wie heute.

Aber wieder zurück zum Windjammersegeln auf einem Traditionssegler: Diese sind heute selbstverständlich mit einer ausreichenden Anzahl Klos und Duschen versehen. Lediglich morgens zum Wecken kann es sich schon mal vor Klo oder Dusche stauen, aber jeder hat im Laufe des Tages Gelegenheit, seiner Körperhygiene nachzukommen. Moderne Großsegler verfügen schon über eine Nasszelle in jeder Kammer. Traditionssegler hingegen wurden vor vielen Jahren entweder als Lastensegler neu gebaut und brauchten aus damaliger Sicht keinen komfortablen Hygienebereich oder sie wurden aus bestehenden Lastschiffen umgebaut und erhielten Nasszellenbereiche, die aus damaliger Sicht auszureichen schienen. Sich die vorhandene Anzahl von Klo und Dusche mit bis zu 48 meist fremden Menschen zu teilen ist auch ein Teil von "Leben lernen auf Segelschiffen". Dazu zählt Üben von Toleranz und gegenseitige Rücksichtnahme, sowohl desjenigen der die sanitären Anlagen benutzt und sie wieder sauber verlässt als auch bei demjenigen, der die Anlagen nicht in für ihn angenehmen Zustand vorfindet. Vor allem bei Seegang wird das Klo von dem einen oder anderen Crewmitglied fast liebevoll "umarmt" und für einige Zeit beansprucht. Daher ist auch hier auf Hygiene zu achten, damit die Arme sauber bleiben.

Auf dem Traditionssegler "Roald Amundsen" hat sich für diesen täglich zu reinigenden Schiffsbereich der Begriff "Keramik" eingebürgert. Wenn also Reinschiff angesagt ist, wird der "Keramik" eine besondere Bedeutung beigemessen.

Mit zunehmender Törndauer empfängt man schon den einen oder anderen säuerlich riechenden Wind, der nicht atmosphärisch bedingt ist. Meist genügt ein kleiner Hinweis auf Waschmaschine und Trockner, um diesem Übel nachhaltig zu begegnen. Beide technischen Errungenschaften sind während eines Törns vollbeschäftigt. Zuerst geht es darum, das komplette Bettzeug des vorangegangenen Törns zu waschen, um dann die vielen Handtücher zu waschen, die täglich in Klos und Duschen ausgetauscht werden. Nach einigen Tagen Fahrt wiederum hat der eine oder andere sein frisches, sauberes Zeug aufgebraucht und dann kann es ebenfalls an Bord gewaschen werden.

Zuständig für die fachgerechte Verwendung von Waschmaschine und Trockner ist der Bootsmann (der auch weiblich sein kann) oder ein besonders abgestelltes Mannschaftsmitglied. Nicht auf jeder Reise ist ein solcher dabei, so dass sich innerhalb der Stammcrew immer jemand findet, der diesen Job übernimmt.

Was gar nicht geht, sind trocknende Kleidungsstücke an Bord. So mancher Kapitän vergleicht das Aussehen mit exotisch anmutenden Schiffen anderer seefahrender Nationen und somit ist die Sache mit dem Trocknen an Deck schnell von der Back (anderer Name für "Tisch"; kommt auch vor in "Backschaft", also Küchendienst). Außerdem bedarf es nur einer etwas größeren Welle und der Trockenvorgang fängt von vorne an.

Was auch gar nicht geht, ist verschwenderischer Verbrauch von Trinkwasser. Sowohl Duschen, Klospülung und Waschmaschinen werden mit Süßwasser gespeist. Selbstverständlich wird das Geschirr auch in der Kombüse ("Bordküche") mit Süßwasser abgewaschen. Zum Trinken ist es auch geeignet ("Ach was??") und wird nicht durch Wein ersetzt, wie bei den Portugiesen etwa, die stets ein mehrere Tausend Liter Trinkwein in einem Tank an Bord mitführen. Da wir an Bord naturgemäß nur einen begrenzten Vorrat mitführen können, sollte jedes Crewmitglied sparsam mit dem lebensnotwendigen Naß umgehen. Es wäre höchst unangenehm, wenn das Wasser mitten auf dem Atlantik ausgehen würde und der nächste landgestütze Wasserhahn rund 1.000 Kilometer und mehr entfernt läge. Dem entgegenzuwirken hat der Maschinist zwei wichtige Details im Kopf: Den Wasserstand der Frischwassertanks und das Gerät, um aus Salzwasser wiederum Frischwasser zu machen.

Allerdings sollte es nicht zum übermäßigen Wasserverbrauch verleiten, denn manche behaupten, dass das Trinkwasser irgendwann "anders" schmecken würde. Das könnte daran liegen, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt dem Vorrat aus Seewasser gewonnenes Süßwasser hinzugefügt wird und sich naturgemäß vermengt. Also lieber sparsam sein, denn für eitle Menschen ist es an Bord etwas schwerer, sich zu stylen - und kommt "eigentlich" auch kaum vor. Schminke und Puder sind an Bord ebenso sinnvoll wie die selbst mitgebrachte Espressomaschine.

News & Aktuelles

Der erweiterte Törnplan für die Brigg "Roald Amundsen" ist jetzt veröffentlicht. Erwartungsgemäß geht es in die Karibik und verspricht wunderschöne Ziele.

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Törnberichte

Ich bin Thommes und bin von April 2011 bis Mai 2012 insgesamt 11 mal auf der Roald Amundsen gefahren, so begeistert bin ich von diesem Schiff. Mein längster Törn war der von Oostende (Belgien) nach Lissabon (Portugal) 5.11. Thomas Kochbis 22.11.2011also fast 3 Wochen. Dabei fuhren wir durch den Englischen Kanal, durch den Golf von Biscaya und auf dem Atlantik, bis wir pünktlich Lissabon erreichten. Während dieser Zeit besuchten wir Städte wie Brest, La Coruna, Kap Fenisterre („Cabo Finisterre“) oder  Cascais vor den Toren Lissabons.
Hier findest Du die Törnberichte aus dieser Zeit, die meistens von mir verfasst wurden.


Hallo Leute,

ich bin Patrick und habe 2011 meinen ersten Ostsee Segeltörn auf einem Windjammersegler gemacht. Das war sowas von g....., dass ich mich für dieses Jahr gleich für zwei Törns im August angemeldet habe.

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